Für wen schreibe ich in diesem Blog?

UnternehmerInnen, Führungskräfte, Teams und MitarbeiterInnen, die die Arbeitswelt kontinuierlich verbessern und weiter entwickeln möchten. Ebenso für alle Menschen, die bereit sind, Verantwortung für die persönliche Entwicklung, die eigene Gesundheit und das eigene Verhalten zu übernehmen. Für alle Neugierigen.

Investition mit garantierter Rendite: #Bildung und #Gesundheit!

- Lesezeit 15 Minuten -

Bildung und Gesundheit

Diese zwei Themenbereiche sind auch vielfältig miteinander verknüpft. Längst wissen wir, dass jedes Bildungsjahr in unserer Biografie auch die Lebenserwartung positiv beeinflusst. Erfolgreiche #Gesundheitsförderung ist auch immer mit erfolgreichen Lernprozessen verbunden. 

Leider gibt es nach wie vor viele Vorurteile bezüglich der Lernfähigkeit von Menschen in der zweiten Lebenshälfte. Diese Vorurteile beschädigen die Gehirne mehr als die Biologie das vermag. Oder glauben Sie etwa auch immer noch an den Spruch: "was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr?" Menschliche Gehirne sind plastisch bis zum Zeitpunkt des Todes. D.h. die #Lernfähigkeit bleibt, wenn auch teilweise anders gelernt wird als in jungen Jahren. Leider beobachten wir, dass die #Lernbereitschaft bei vielen Menschen im Laufe der Jahre abnimmt. Das müsste nicht sein. 

#Personalentwicklung, #BetrieblichesGesundheitsmanagement, #DemographieBeratung sollten dem Thema #Lernen in der zweiten Lebenshälfte daher besondere Beachtung schenken.

Mehr dazu lesen Sie hier.


Lernen beflügelt 

„Lernen ist Wettbewerbsverzerrung." 

N.N.

Lernen hat bei vielen Menschen ein schlechtes Image. Warum? Kindheits- und Jugenderfahrungen sind prägend für das Lernen über die ganze Lebensspanne – es sind vielmehr die Rahmenbedingungen, unter denen das Lernen stattfindet, als das Lernen selbst, die zu diesem schlechten Image beigetragen haben.

Wer von Ihnen schon einmal unter guten Bedingungen etwas für sich Nützliches gelernt hat weiß, das muss nicht so sein. Ein Computerproblem nach langem Knobeln selbstständig gelöst zu haben. In einem Seminar die Kompetenz erworben zu haben, Konflikte erfolgreich zu lösen. Einen Weg zur Lösung eines technischen Problems gefunden zu haben – jeder der eine solche Erfahrung gemacht hat, der weiß, wie lustvoll und beflügelnd Lernen sein kann.

"Sie glauben doch nicht im Ernst, dass einer über 50 sich noch verändert." So der Kommentar einer Führungskraft zum Thema Lernen und ältere Mitarbeiter. Dieser Mann hatte erkannt, dass Lernen über das Lernen von Faktenwissen hinaus auch in persönlicher Entwicklung besteht. Was die Veränderungsfähigkeit über 50 angeht, hatte er allerdings unrecht. Ältere Mitarbeiter können sich genau wie jüngere ihr Arbeitsleben lang verändern und dazulernen. Wichtig ist es in jedem Alter, egal ob Berufseinsteiger oder alter Hase. Doch was ist Lernen eigentlich?


Sie können nicht nicht lernen

Das Gehirn lernt unentwegt, im täglichen Leben – ob Ihnen das nun gerade bewusst ist oder nicht. Ein Großteil dessen, was wir im Leben lernen geschieht unbewusst.

Die Frage ist: Was lernt das Gehirn? In der Kindheit sind die täglichen Lernschritte noch auffällig und sichtbar, wir lernen sprechen, gehen, später lesen und schreiben, lernen das Empfinden und die Bedeutung von Emotionen.

Lernen kann man in verschiedene Bereiche einteilen: Es bedeutet zum Beispiel Faktenlernen, Prozesslernen, interaktionales Lernen und Emotionslernen. Der Begriff Faktenlernen ist dabei noch der am besten verständliche. Was aber sind Prozesslernen, interaktionales und Emotionslernen?

„Ich höre zwar schlechter, aber ich verstehe immer besser."
Wenn jemand sich die beliebte US-Serie The Simpsons in der Kindheit und frühen Jugend angesehen hat, fand er sie wahrscheinlich amüsant. Wer sich die gleiche Serie einige Jahre später, in den Zwanzigern ansieht, wird sie viel mehr finden als nur amüsant. Aspekte, die man in der Kindheit noch nicht fähig war zu erkennen, erschließen eine neue Ebene: immer wiederkehrende Muster als Stilmittel, aktuelle politische Anspielungen, das Nutzen verschiedener überspitzter Charaktere zur Darstellung gesellschaftlicher Strömungen, Sozialkritik. Ohne ein gewisses Maß an Wissen über Gesellschaft, Weltgeschehen und aktuelle Entwicklungen sind viele Witze gar nicht zu begreifen.

Ähnlich wird es Menschen gehen, die mit 18 Jahren einen guten Roman lesen und das Buch mit fünfzig Jahren wieder in die Hand nehmen. Wer in jungen Jahren „Vom Winde verweht" gelesen hat, wird wahrscheinlich schwerpunktmäßig die Liebesgeschichte von Scarlett O'Hara und Rhett Butler gelesen haben. Einige Jahre später wird die politische Aussage vielleicht eher in den Vordergrund treten.

Haben Sie in den letzten Jahren einen Film gesehen den Sie aus Ihrer Kindheit schon kannten? Oder haben Sie vielleicht den ein oder anderen Aspekt in einem Buch entdeckt, der Ihnen vorher nie aufgefallen war? Haben Sie Szenen verstanden, die Ihnen bislang unwichtig vorkamen und ganz neue Aussagen entdeckt?


Das andere Gehirn

Jüngere und ältere Menschen erbringen ihre jeweils besten Leistungen in unterschiedlichen Gebieten: Sich in schnell wandelnde Lebensbereiche einzuarbeiten, zum Beispiel in den Umgang mit Computern und Smartphones, ist eher die Stärke von 20-Jährigen. Ihre Gehirne entwickeln und formen sich noch schneller als die älterer Personen. In Bereichen, in denen Erfahrungswissen gefragt ist, wie zum Beispiel in den Sozialwissenschaften, erbringen oft Menschen in fortgeschrittenem Alter hervorragende Leistungen. Aufgrund ihrer Erfahrung sind sie in der Lage, auf einem anderen Niveau zu verstehen und zu reflektieren als jüngere Gehirne. 

Woran liegt das?
Jüngere und ältere Gehirne sind tatsächlich unterschiedlich beschaffen. Diese Unterschiedlichkeit älterer und jüngerer Gehirne kann man sogar sichtbar machen: Studien im Kernspintomographen zeigen, dass ältere Gehirne mehr Gehirnareale zum Lösen komplexer Aufgaben nutzen als jüngere. Ob das nun eine kompensatorische Strategie oder das Nutzen alternativer Lösungsstrategien ist, darüber ist man sich noch nicht einig.
Aber man muss gar nicht in die Wissenschaft gehen, um Unterschiede zwischen jüngeren und älteren Gehirnen zu entdecken. Man kann sie schon an einem ganz alltäglichen Beispiel erkennen: Sprache lernt man früh, aber man hört nie wieder damit auf. Je älter Sie werden und je länger Sie eine Sprache sprechen, schreiben, Ihre Kenntnisse nutzen und sich mit anderen Menschen austauschen, desto mehr werden Sie dazulernen. Sie werden flüssiger sprechen, gewandter formulieren, besser ausdrücken können was sie sagen möchten.

„Ich war noch nie so klug wie heute."
Ja, es gibt eine Form der Intelligenz, die wird größer, je älter Sie werden. Diese Intelligenz entsteht aus dem im Leben gesammelten Erfahrungswissen und man bezeichnet sie als kristalline Intelligenz. Sie ist verantwortlich für Leistungen, die auf Sprachverständnis und erfahrungsgeleitetem Sachwissen beruhen und ermöglicht Ihnen, auf bekannte Lösungsstrategien zurückzugreifen und daraus auch neue zu entwickeln.

Daneben gibt es auch die fluide Intelligenz, die sich kurz gesagt auf die Lernfähigkeit, zum Beispiel logisches Denken und die Kontrolle von Denkvorgängen bezieht. Diese Form der Intelligenz nimmt im Lauf des Lebens etwas ab – doch dieser Rückgang kann in weiten Teilen durch den Ausbau der kristallinen Intelligenz kompensiert werden.

Das wohl bekannteste Beispiel für den Nutzen und den Reichtum an kristalliner Intelligenz im Alter ist vermutlich das von Chesley Sullenberger. Der Pilot machte 2009 Schlagzeilen, als er ein Passagierflugzeug auf dem Hudson River notlandete, weil sich Vögel in den Triebwerken verfangen und das Flugzeug außer Gefecht gesetzt hatten. Mit der Notlandung rettete Sullenberger hunderte Menschenleben und vollbrachte eine Leistung, die kaum jemand für möglich gehalten hatte. 

Sullenberger war keiner von den jungen Piloten, denen man eine besonders gute Reaktionsgeschwindigkeit nachsagt – er war zum Zeitpunkt der Notlandung 57 Jahre alt: „Man kann es vielleicht so sehen, dass ich 42 Jahre lang kleine, regelmäßige Einzahlungen in die Erfahrungsbank gemacht habe: Ausbildung und Training. Und am 15. Januar reichte das Guthaben aus, dass ich eine sehr große Abhebung machen konnte.".

Entwicklung von Leistung und Lernen – was stimmt denn nun?
„Ich bin zu alt, um das noch zu lernen.", „Das überlassen wir besser den Jüngeren." – solche Sätze bekommen wir zu Seminarbeginn oft von unseren Teilnehmern zu hören. Tatsächlich ist es so, dass es für bestimmte Lerninhalte so genannte sensible Phasen gibt. Das sind Zeitspannen, in denen gewisse Erfahrungen gemacht werden sollten, um bestimmte Fertigkeiten und Fähigkeiten zu erwerben. In diesen Phasen fällt es besonders leicht, bestimmte Dinge zu erlernen . Beispiele hierfür sind Sprache, Bewegung oder das Spielen eines Instruments – werden diese Dinge nicht in den jeweiligen sensiblen Phasen in der Kindheit gelernt, müssen wir später viel mehr Energie und Zeit in das Erlernen dieser Fähigkeiten investieren. Das gleiche Niveau wie ein Muttersprachler werden Sie natürlich nicht mehr erlangen, wenn Sie mit 50 anfangen, Englisch zu lernen – für ein ordentliches Business English ist es allerdings nie zu spät.

Die Erkenntnis, dass das neuronale Wachstum im Gehirn, also das Entstehen neuer Gehirnzellen, mit Mitte zwanzig seinen Höhepunkt erreicht hat und danach langsam aber stetig abnimmt, prägt die öffentliche Meinung über Lern- und Leistungsfähigkeit im Alter. Fälschlicherweise setzen viele diesen Gedanken gleich mit einer Abnahme der Lern- und Leistungsfähigkeit des Gehirns. Die Wahrheit ist: Auf dem Höhepunkt des neuronalen Wachstums werden zwar über Nacht unglaublich viele Hirnzellen produziert – wir können sie aber gar nicht alle nutzen.

Die, die wir tagsüber durch Lernen und Leben füttern, bleiben bestehen und ihre Verbindungen festigen sich. Die, die wir nicht nutzen, sterben einfach wieder ab. Die gute Nachricht ist: Auch wenn das neuronale Wachstum mit der Zeit langsamer vonstatten geht, produzieren gesunde Gehirne ein ganzes Leben lang genügend neue Hirnzellen, um in jedem Alter dazuzulernen und leistungsfähig zu sein.

Trotzdem begegnet uns die Meinung, im Alter könne man nicht mehr dazulernen und werde vergesslich, noch immer täglich. Zum Glück entspricht sie nicht ganz der Wahrheit. Es ist keinesfalls richtig, dass man im Alter zwangsläufig vergesslicher wird. Die Befundlage ist in Wirklichkeit widersprüchlich, sowohl in Bezug auf Gedächtnis- als auch in Bezug auf Lernleistungen. Oftmals ist es so, dass ältere Menschen ihre Vergesslichkeit auf ihr Alter zurückführen. Jüngere, die durchaus auch Dinge vergessen, führen diese Vergesslichkeit auf andere Gründe, zum Beispiel mangelnde Anstrengung – einfach eine Frage der Bewertung.

Wer das Lernen aufgibt, der schießt sich ein Eigentor: Einmal aus der Übung gekommen, die Motivation verloren, wird es Ihnen im Alter tatsächlich schwerer fallen, Neues zu lernen – aber nicht aufgrund Ihres biologischen Alters, sondern aufgrund mangelnder Motivation und Übung (was letztlich tatsächlich zu schlechterer Gedächtnisleistung führen kann). Ihr Gehirn ist plastisch und behält seine Plastizität bei bis zum Tod – folglich sind Sie auch fähig, zu lernen bis zum Tod. Die auf der nächsten Seite stehende Tabelle entlarvt einige Mythen als solche und stellt klar, welche gegenläufigen Fakten tatsächlich als gesichert gelten.

Mythos Fakt
Die Leistung des Gehirns nimmt ab dem 25. Lebensjahr ab. Die Seattle longitudinal Study zeigte teilweise sogar das Gegenteil: In vier von sechs getesteten Leistungskategorien (Wortschatz, verbales Gedächtnis, räumliches Vorstellungsvermögen und induktives Denken) war die Leistung bei den gleichen Personen im Alter von 40 bis 56 besser als noch mit 25 Jahren.
Im Alter nimmt die Fähigkeit ab, dazuzulernen.Verarbeitungsgeschwindigkeit und damit die Lerngeschwindigkeit können im Alter etwas nachlassen – Jüngere lernen oft etwas schneller, aber nicht sehr viel. Ältere Menschen lernen dafür oft besser, weil sie Neues leichter in Vorwissen einordnen können.
Ältere Menschen brauchen andere, spezielle Rahmenbedingungen zum Lernen als jüngere.Es gibt keine besonderen Lernformen nur für Ältere. Wichtig ist – und das in jedem Alter – gutes Lernen. Ein gutes Umfeld, passendes Lernmaterial, oder die stimulierende Aufarbeitung des Lernstoffs zum Beispiel tun älteren wie jüngeren Personen gleichermaßen gut.
Lernen mit fortschreitendem Alter - Lernen neu gestalten
Worauf Sie sich allerdings einstellen können: Sie werden anders lernen. Dieses andere Lernen kann nur funktionieren, wenn Sie selbst ein positives Bild von Ihrem Alterungs- und Entwicklungsprozess sowie Ihrer Lernfähigkeit haben. Wir brauchen gar nicht erst über Bedingungen und Lernformen oder Hilfsmittel zu sprechen, wenn eine negative Einstellung vorliegt und man sich denkt „Aufgrund meines Alters kann ich nicht mehr so gut lernen" – das wird zur selbsterfüllenden Prophezeiung. Dass das Altersbild für den ganzen Alterungsprozess von Bedeutung ist, haben wir an anderer Stelle schon angesprochen –zum Thema Lernen bekommt dieser Punkt nochmal eine viel stärkere Bedeutung.

Wenn Sie darauf achten, offen für Neues zu bleiben und bereit sind, Ihr „altes" Wissen zu reflektieren und mit neuem zu verknüpfen, haben Sie beste Voraussetzungen, lange Zeit gut zu lernen. Dabei geht es wie bereits erwähnt nicht darum, dass ältere Menschen andere Lernbedingungen oder –formen benötigen würden. Es gibt einfach ein paar Aspekte, die im Lauf Ihrer Entwicklung wichtiger für Ihr Lernen werden und für die Sie mit der Zeit sensibler werden.

Lernen mit Sinn

Je älter Sie werden, desto wichtiger wird die Sinnhaftigkeit der zu lernenden Inhalte für Sie werden. Eine von Altersforschern häufig zitierte Geschichte ist folgende: Geben Sie einem 20-Jährigen ein Telefonbuch in die Hand und bitten Sie ihn, es auswendig zu lernen – und er wird fragen „Bis wann?". Geben Sie einem 50-Jährigen ein Telefonbuch in die Hand und bitten Sie ihn, es auswendig zu lernen – und er wird fragen „Warum?". Ganz so doof sind die 20-Jährigen natürlich nicht. Auch sie wollen sinnvolle Dinge lernen – die Geschichte verdeutlich nur, dass es im Lauf der Jahre immer wichtiger wird, wie sinnvoll etwas ist.
Während Sie sich in jüngeren Jahren vermutlich noch gut Nonsens merken und leicht „unnützes" Wissen ansammeln konnten, werden Sie sich im Laufe der Jahre die Dinge besser merken können, die an vorhandenes Wissen anknüpfen. 

Während man in jungen Jahren noch eher bereit ist, eine Weiterbildung zu absolvieren, damit sie im Lebenslauf steht und man bei der nächsten Bewerbung ein kompetenteres Bild abgeben wird, rücken mit der Zeit andere Aspekte mehr in den Fokus: Hilft Ihnen die Weiterbildung auch tatsächlich? Bringt sie Ihnen die Inhalte, die von Nutzen sein können? Kann sie helfen, ein gestecktes Ziel zu erreichen? Kann ich nicht nur beruflich, sondern auch persönlich profitieren?

Sie werden sich die Dinge besser merken, die Sie für sinnvoll halten, die an vorhandenes Wissen anknüpfen und mit denen Sie Ihre Kenntnisse erweitern können. Die Sinnhaftigkeit des zu Lernenden spielt also eine große Rolle – aber mal ehrlich, wer möchte sich mit unsinnigem, wenig nützlichem Lernstoff herumplagen, wenn er mit viel größerer Leichtigkeit nützliches Wissen dazugewinnen und mit vorhandenem verknüpfen kann?


Lernen mit Gefühl

Genauso wichtig wie die Sinnhaftigkeit scheint mit zunehmenden Jahren ein emotionaler Bezug zum Lernstoff zu sein. Die sensible Phase für das Erlernen von Sprachen dauert etwa bis zum zehnten Lebensjahr an – doch viele Menschen lernen auch viel später noch erfolgreich eine neue Sprache. Wenn nun zwei Frauen im Alter von fünfzig Jahren, mit gleicher geistiger Fitness beginnen, Portugiesisch zu lernen, hängen Lernerfolg und Leichtigkeit unter anderem vom emotionales Bezug zum zu Lernenden ab. Nehmen wir an, eine der Frauen möchte sich weiterbilden, um ihre geistige Fitness zu erhalten. Die andere möchte die Sprache lernen, um sich besser mit einem Mann unterhalten zu können, den sie vor kurzem kennengelernt hat und der ihr sehr gut gefällt. Für beide Lernenden ist sinnhaft, was sie tun – aber eine hat zusätzlich auch einen emotionalen Bezug dazu. Was glauben Sie, wer die Sprache schneller lernen wird?

Wenn Sie sich also voller Elan in ein neues Projekt stürzen, lohnt es sich zu hinterfragen: Was ist meine Motivation? Habe ich ein gutes Gefühl, wenn ich an mein Vorhaben denke, oder lässt es mich emotional eher kalt? Möchte ich das gerne für mich tun? Oder motiviert mich allein meine Vernunft?

Menschen als Architekten des eigenen Gehirns
Je konsequenter Sie ihr Leben lang lernen und nicht damit aufhören, desto mehr Wissen werden Sie ansammeln, an das Sie im Lauf Ihres Lebens anknüpfen können. Denn Lernen bedeutet nicht nur, neue Hirnzellen wachsen zu lassen und ihnen Sinn zu geben, es bedeutet auch, neue Verknüpfungen zwischen bereits vorhandenen Zellen zu schaffen und altes mit neuem in Verbindung zu bringen. Von diesen haben Sie mehr, je älter Sie werden und je mehr Sie schon lernen konnten. Wer also früh vielseitig lernt und nicht damit aufhört, legt den Grundstein für gutes Lernen über die Lebensspanne hinweg. Sie sind selbst in der Lage, ihr Gehirn zu formen und darauf hinzuarbeiten, dass es langfristig gut lernfähig bleibt. Sie können sich Ihr Gehirn als Großbaustelle vorstellen: Immer steht irgendwo ein Gerüst, immer wird Leerstehendes abgerissen, Neues gebaut, an Bestehendem an- und umgebaut...

Was Sie als Architekt Ihres Gehirns benötigen, ist Lernkompetenz. Damit bezeichnet man die Technik des Lernens, diese Kompetenz können Sie sich selbst aneignen und ausbilden. Wer seine Lernkompetenz erhöht, verändert in der Folge auch sein Lernverhalten: Mit mehr Lernkompetenz bildet man sich mehr weiter und steigert dadurch wiederum die eigene Lernkompetenz.

Zwischen 40 und 70 ist die Zeit in Ihrem Leben, in der Sie darüber bestimmen, wie Ihr Gehirn im hohen Alter aussehen wird . Dabei ist laut dem Gehirnforscher Ernst Pöppel wichtig, dass Sie Ihr Gehirn so richtig anstrengen, um es fit zu halten – wie einen Muskel, den man trainiert . Auch das Gehirn muss man zur Anregung des Wachstums bemühen, bis es vor Ermüdung aufgibt.


Use it or lose it - so legen Sie den Grundstein für geistige Fitness, egal in welchem Alter.

Mythos Fakt
Geistige Aktivität
Viele Studien zeigen: Wer in jungen Jahren eine gute Bildung genießt, ist später im Vorteil. Auch die Freizeitgestaltung macht viel aus: Neues zu Lernen, zum Beispiel eine Sprache oder ein Instrument, hält den Geist fit.
Abwechslung
Ein Gehirn, das immer mit der gleichen Aufgabe gefordert wird, zum Beispiel mit Kreuzworträtseln oder dem gerade mordernen „Gehirnjogging", muss mit der Zeit weniger Energie für diese Aufgabe aufwenden. Es lernt. In der Folge wird es faul – damit das Gehirn angeregt wird und neue Verbindungen erstellt, braucht es wechselnde Herausforderungen.
Bewegung 
So wie die mentale Bewegung des Gehirns die geistige Fitness fördert, so tut es auch körperliche Bewegung. Dazu genügt schon zügiges Gehen, es muss nicht gleich Leistungssport sein. Die Hauptsache ist, Sie bewegen Körper und Geist regelmäßig. 
Gesunder LebensstilEine ausgewogene Ernährung kann durch ihre positive Wirkung auf den Körper (und das Gehirn) ebenso positiv auf ihren Geist wirken. Versuchen Sie, Stress zu bewältigen statt ihn chronisch werden zu lassen. Und gönnen Sie sich ausreichend Schlaf. All diese Aspekte des Lebensstils helfen Ihrem Geist, munter zu bleiben.
Soziale KontaktePflegen Sie zwischenmenschliche Kontakte. Sei es der persönliche Kontakt, bei dem Sie sich direkt mit anderen austauschen, oder ein Kontakt über digitale soziale Netzwerke. Das Auseinandersetzen mit anderen Menschen, Ideen – und im Fall der digitalen Netzwerke auch neuen Medien – ist gut für Ihre Denkfähigkeit.
Soziales EngagementVereinen Sie die positiven Effekte von geistiger Aktivität, Abwechslung und sozialen Kontakten. Forscher fanden in einer Studie heraus, dass Menschen über 55, die sich sozial engagierten seltener unter Depressionen litten und ihr Gedächtnis sowie die Steuerung ihres Verhaltens, Problemlösefähigkeiten, das Planen und das Regulieren von Emotionen verbesserten.

Lernen und Leben – aktuelle biografische Aspekte (lebenslange Fort- & Weiterbildung)
„Sie werden im Lauf Ihres Berufslebens bestimmt an die 20 Arbeitgeber haben." Mit dieser Aussage schockierte ein Dozent für Personalentwicklung seine jungen ZuhörerInnen – und machte damit auf eine aktuelle Entwicklung in der Arbeitswelt aufmerksam: Die traditionelle Dreiteilung des Lebenslaufs – Ausbildung, Berufstätigkeit, Ruhestand – ist ein Auslaufmodell. Lern- und Berufsbiografien verändern sich, und während es vor einigen Generationen noch üblich war, sein Leben lang bei einem Arbeitgeber zu verweilen und Aufstiegschancen innerhalb des Betriebs zu nutzen, wird es künftig immer häufiger wechselnde Tätigkeiten geben. Eine Karriere bei nur einem Arbeitgeber wird nicht mehr Normalität sein. Folglich wird auch eine Ausbildung am zum Beginn des Berufslebens in vielen Fällen langfristig nicht ausreichen. Bildung kann zeitlich nicht mehr auf den Beginn der Berufsbiografie beschränkt werden. Das bedeutet, wir müssen uns auf eine Umstrukturierung des Lernens im Sinne von lebenslangem Lernen einstellen. Nicht nur für den Beruf, auch für die persönliche Entwicklung ist ein Umdenken wünschenswert, schließlich möchte jeder seine Potenziale nutzen. So ist es für den Einzelnen sowohl eine Möglichkeit, sich im Lauf des Lebens zu entfalten, fit zu halten und bereichernde Erfahrungen zu sammeln, als auch eine Herausforderung, gesellschaftlichen Anforderungen und Entwicklungen zu begegnen. Durch die beschriebene Veränderung von Lern- und Berufsbiografien ist lebenslanges Lernen auch die Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe, für Demokratiefähigkeit und Engagement in der Zivilgesellschaft – um nicht hinter Veränderungen zurückzustehen, sondern aktiv partizipieren und das eigene Leben gestalten zu können. Außerdem ist es die beste Voraussetzung, auch im mittleren Alter noch einmal etwas Neues zu beginnen...


Mit 50 nochmal einen neuen Beruf erlernen

Immer mehr Menschen zeigen, dass sie auch in der Lebensmitte noch einen völlig neuen Beruf erlernen können. So sind einige Biografien dokumentiert, wo beispielsweise der Lehrer zum Informatiker wird, der Drucker zum Altenpfleger, oder die Altenpflegerin zur Logopädin. Diese Umschulungen sind meist mit großem finanziellem und zeitlichem Einsatz verbunden. Wie groß aber ist der Preis, zehn oder gar zwanzig Jahre in einem ungeliebten Job zu verbringen?

Andere suchen nach Wegen, die es ihnen ermöglichen die neue Tätigkeit mit den Erfahrungen und dem Wissen aus dem alten Beruf zu verbinden, so wie Michael Seimetz. Er ist 51 Jahre alt und seit über 15 Jahren leitender Physiotherapeut einer großen neurologischen Klinik. In den letzten Jahren bemerkt er bei sich Ermüdungserscheinungen in seinen beruflichen Routinen. Er arbeitet mit Patienten mit Halbseitenlähmungen, mit Querschnittsgelähmten und Patienten mit schwersten Hirnverletzungen. Die Arbeit fordert ihn körperlich wie seelisch sehr und er befürchtet, diese Art der Arbeit nicht noch weitere 15 Jahre mit Freude und Engagement ausüben zu können. Eine völlig neue Berufsausbildung kommt für ihn aus finanziellen Gründen nicht in Frage. Nach längerer Suche findet Seimetz eine Möglichkeit, sich zum PhysioCoach zu qualifizieren. In dieser Weiterbildung haben Personen, die eine Berufsausbildung im Gesundheitswesen haben, die Chance sich mit Hilfe von Beratungs- und Coachingmethoden ein neues Arbeitsfeld in der Prävention und Therapie zu schaffen. Obwohl sich die dort gelehrten Arbeitsweisen stark von den physiotherapeutischen Verfahren unterscheiden, findet sich Seimetz schnell in die neue Denk- und Handlungsweise ein. Er lernt mit Freude, entdeckt ungenutzte Potentiale und findet mit 53 Jahren noch einen neuen Arbeitgeber, der die Kombination aus langjähriger therapeutischer Erfahrung und demfrischem Wissen in Beratungsmethoden zu schätzen weiß. Zudem verdient er im neuen Job deutlich besser als vorher.

In den USA wie in Deutschland brechen immer mehr Menschen im mittleren Alter noch einmal auf, sich neu zu orientieren und einen neuen Weg im Beruf einzuschlagen. Während diese Leute sich und ihre Projekte in den USA stolz auf Internetplattformen präsentieren und ihre neuen Erfolge laut kundtun, geschieht dies hier in Deutschland eher still. Klar, einen neuen Beruf oder eine umfangreiche Weiterbildung zu absolvieren beinhaltet natürlich auch ein Risiko. Nichts Neues zu lernen ist aber definitiv das größere Risiko.

Auszug aus dem Buch: Cornelia Schneider / Lisa- Juliane Schneider: Reife Leistung / Herder Verlag


Spitzer, M. (2002). Lernen.

Oerter, R. & Montada, L. (...). Entwicklungspsychologie. Ein Lehrbuch. Weinheim: Psychologie Verlags Union

Stamov Roßnagel, Zeit 49 2013 S.28

Schaie, K. W. (1983). The Seattle Longitudinal Study: A 21-year exploration of psychometric intelligence in adulthood. Longitudinal studies of adult psychological development, 64(135), 484-493.

Strauch, B. (2012). Da geht noch was. Bloomsbury.

Pöppel, E. (2010). Je älter desto besser: Überraschende Erkenntnisse aus der Hirnforschung. Gräfe und Unzer.

Glomp, I. (2013). Use it or lose it. Psychologie Heute.
Akademiengruppe Altern in Deutschland, 2009

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