Für wen schreibe ich in diesem Blog?

UnternehmerInnen, Führungskräfte, Teams und MitarbeiterInnen, die die Arbeitswelt kontinuierlich verbessern und weiter entwickeln möchten. Ebenso für alle Menschen, die bereit sind, Verantwortung für die persönliche Entwicklung, die eigene Gesundheit und das eigene Verhalten zu übernehmen. Für alle Neugierigen.

Machen statt Meckern? Wirken statt Wollen?

- 3 Min. Lesezeit -

Leute, hört endlich auf zu jammern und investiert Eure Lebensenergie in die Dinge, die Ihr verändern könnt und verschwendet Eure Kraft nicht mit ständiger Nörgelei. Das macht krank und mindert Eure Möglichkeiten.

Einfluss- und Interessenbereich: Wirken oder Wollen? 

„Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden."

Dieses Zitat kennen viele unter dem Namen „Gelassenheitsgebet". Die Anonymen Alkoholiker nutzen es genauso wie die Bundeswehr und viele andere Vereinigungen als Wahlspruch. Man findet diesen Gedanken schon bei den alten Griechen ebenso wie in der klassischen Literatur, beispielsweise bei Friedrich Schiller: „Wohl dem Menschen, wenn er gelernt hat, zu ertragen, was er nicht ändern kann, und preiszugeben mit Würde, was er nicht retten kann." Der bekannteste Vertreter der positiven Psychologie, Martin Seligman, arbeitet mit diesem Ansatz ebenso wie viele andere Therapeuten, Trainer und Autoren. Auch Stephen Covey, Dozent für Selbstmanagement, nutzte diese gedankliche Vorarbeit und formulierte dies in seiner Theorie zum Einfluss- und
Interessenbereich.

Aber um was geht es hier genau?

Die Wahlfreiheit nutzen
Jeder Mensch hat Lebensbereiche, in denen er unmittelbar Einfluss ausüben kann. Sie können jetzt beispielsweise aufhören zu lesen und Ihre Zeit und Energie auf andere Dinge verwenden. Sie können sich entscheiden, heute Abend Sport zu treiben oder fernzusehen. Ja, Sie können morgen entscheiden, ob Sie zur Arbeit gehen oder zuhause bleiben. Selbstverständlich müssten Sie dann auch die Konsequenzen dieser Entscheidung tragen. Bei vielen Dingen im Leben haben Sie eine Wahl, häufig bei vielmehr als Sie üblicherweise realisieren. Der Einflussbereich bezieht sich auf Ihr eigenes Denken, Fühlen und Handeln. Dafür können und sollten Sie Verantwortung übernehmen. Es gibt selbstverständlich eine Grenze Ihres Einflussbereiches. Dort haben Sie vielleicht ein berechtigtes Interesse, aber keinen Einfluss mehr: „Ich wünsche mir, dass die Sonne heute scheint; ich möchte dieselbe körperliche Leistung wie vor 30 Jahren erbringen, und mein neuer Chef soll sich so verhalten wie mein alter Chef". Hier befinden Sie sich in Ihrem Interessenbereich, der außerhalb Ihres Einflusses liegt. Jetzt ist es für Ihr Selbstmanagement bedeutsam, in welchen der beiden Bereiche Sie mehr Energie investieren. Menschen, die sich auf ihren Einflussbereich konzentrieren, vergrößern im Laufe der Jahre ihren Einfluss, weil sie mehr Zeit und Kraft darauf verwenden, nach Lösungen zu suchen und anzupacken. Menschen, die ihre Energie und ihre Gedanken auf Lebensbereiche fokussieren, die zwar interessant für sie sind, aber nicht veränderbar, verringern den Einfluss, den sie ausüben könnten. Sie werden eher krank, erbringen weniger Leistung, haben öfter schlechte Laune…

Mit den Grauzonen experimentieren
Nicht immer ist offensichtlich, ob eine Entscheidung im eigenen Einflussbereich, oder nur im Interessenbereich liegt. Zwischen Einfluss- und Interessenbereich gibt es wohl eine nicht zu unterschätzende Grauzone, den indirekten Einflussbereich. Manchmal ist es von vornherein nicht absehbar, ob ein Engagement lohnt, da das gewünschte Ereignis auch von anderen Personen und deren (nicht kalkulierbaren) Wohlwollen und Verhalten mit abhängt. So liegt es beispielsweise nicht in Ihrem direkten Einflussbereich eine Gehaltserhöhung zu erreichen. Sie haben aber verschiedene Möglichkeiten die Wahrscheinlichkeiten dafür zu erhöhen: realistische Zielsetzung durch Informationsbeschaffung zur betriebswirtschaftlichen Situation des Unternehmens, zu Tarifen oder anderen branchenüblichen Regelwerken, gute Vorbereitung der Gehaltsverhandlung sowie Nachbereitung: was ist gut gelaufen? Was hätte ich besser machen können? Falls gescheitert, warum? Was werde ich beim nächsten Mal anders machen? So wie dieses Beispiel gibt es viele andere, bei denen Sie keine klare Grenze zwischen Einfluss- und Interessenbereich ziehen können. Vielleicht ist Ihre Arbeit definitiv mehr Geld wert, Sie sind hervorragend vorbereitet, aber Ihr Arbeitgeber kann oder will einfach nicht mehr zahlen. So wie in dieser Situation, so lohnt es in vielen anderen ebenso immer wieder mit dem direkten und indirekten Einflussbereich zu experimentieren und Erfahrungen zu sammeln: Wo sind die Grenzen meines Einflusses? Wo brauche ich meine Energie nicht zu verschwenden? Wo könnte ein Engagement lohnen, auch wenn, wenn ich nicht alleine das Ergebnis beeinflussen kann? Wo kann ich mit meiner Energie auf jeden Fall etwas bewirken?

Machen statt Meckern
Das Modell des Einfluss- und Interessenbereichs erscheint auf den ersten Blick einfach und selbstverständlich. Das bedeutet aber keinesfalls, dass dies in der Umsetzung banal wäre. Aus unserer Sicht gehört es zu einem der wichtigsten Selbstmanagementprinzipien, das Sie wie einen roten Faden durch Ihr Arbeits- und Privatleben begleiten und eine wichtige Orientierung geben kann.
Gelingendes Älterwerden im Beruf bedeutet beispielsweise kontinuierlich den Einflussbereich auszuweiten und gelassen mit dessen Grenzen zu leben. Mehr Machen im Einflussbereich und weniger Meckern im Interessenbereich, das brächte wahrscheinlich schon einen erheblichen Energiegewinn. Mit dieser neuen Reserve ließe sich dann mit der Grauzone, also dem indirekten Einflussbereich, gut spielen und experimentieren.


Auszug aus dem Buch: Cornelia Schneider / Lisa- Juliane Schneider: Reife Leistung / Herder Verlag


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