Für wen schreibe ich in diesem Blog?
UnternehmerInnen, Führungskräfte, Teams und MitarbeiterInnen, die die Arbeitswelt kontinuierlich verbessern und weiter entwickeln möchten. Ebenso für alle Menschen, die bereit sind, Verantwortung für die persönliche Entwicklung, die eigene Gesundheit und das eigene Verhalten zu übernehmen. Für alle Neugierigen.

Ressourcenorientierung: Wie stärke ich meine Kräfte?

Lesezeit 10 Min. Ressourcenorientierung - ein zentraler Erfolgsfaktor in der Mitarbeiter- und in der Selbstführung? Lesen Sie hier was Ressourcenorientierung bedeutet und wie Sie sie trainieren können.

Kennen Sie Kollegen oder auch Vorgesetzte, die bei allem was passiert, immer das Haar in der Suppe finden? Oder gehören Sie selbst auch vielleicht zu denjenigen, die an sich beobachten, wie sie in bestimmten Situationen oder auch bei sich selbst tendenziell eher das Negative bzw. die Gefahr sehen als die Chancen und Möglichkeiten? Der Betriebsausflug im Mai: „Da hat es die letzten Jahre so oft geregnet." Die Zusammenlegung zweier Teams: „Das wird ein organisatorisches Fiasko." Die Einführung einer neuen Computersoftware: „Oh je, das dauert ewig, bis das läuft und bis ich mich da eingearbeitet habe." Der Verkauf der Firma an einen ausländischen Investor: „Jetzt verlieren wir sicher alle unsere Arbeitsplätze." Kann sein, dass diese Einschätzungen alle zutreffen; kann aber auch nicht sein: Die Sonne kann im Mai scheinen, die Zusammenlegung zweier Teams kann neue Kräfte freisetzen, die Einführung einer neuen Software kann zur Arbeitserleichterung führen. Ja, auch der neue Investor kann die Arbeitsbedingungen in der Firma verbessern. Welchen Vorteil hat es also, den ungünstigsten Verlauf vorweg zu denken? Eine ressourcenorientierte Denk- und Sprechweise zu wählen, bedeutet selbstverständlich nicht, den Regenmantel für die Wanderung im Mai zu Hause zu lassen.


Defizitorientiertes Denken war in der Menschheitsgeschichte ein Überlebensvorteil

Dass wir alle mehr oder minder stark dazu neigen, eher das Defizit als die Ressource in einer Situation zu sehen, erklärt sich zum einen durch individuelle und soziale Lernprozesse. Es erklärt sich aber auch durch unsere Evolution. In der Frühzeit des Menschen war es von entscheidendem Vorteil, Bedrohungen und Risiken möglichst frühzeitig zu erkennen. Überlebt haben vor allem diejenigen, die besonders vorsichtig und schnell auf potenzielle Gefahren reagiert haben. Ein Geräusch im Gebüsch konnte Bedrohung durch ein Raubtier sein, die Früchte in eigenartiger Farbe konnten giftig sein, eine bestimmte Bewegung eines anderen Menschen oder auch eines Tieres konnte Angriff bedeuten, und ein unbekannter Geruch konnte darauf hinweisen, dass man das Wasser besser nicht trinken sollte. Selbst ein eigenartig gebogener Ast am Wegrand konnte beim flüchtigen Hinsehen als Schlange interpretiert werden. Das schnelle Davonlaufen oder auch das Draufhauen erwies sich als klarer Überlebensvorteil, auch wenn es manchmal eben nur ein Ast war. Aus evolutionärer Sicht war es auf jeden Fall klüger, einen Ast mit einer Schlange, als eine Schlange mit einem Ast zu verwechseln. Überlebt haben also diejenigen, die in vielen Situationen eher die Gefahr, das Risiko und negative Konsequenzen gesehen haben. Diejenigen, die eher gelassen und entspannt die Blumen am Wegrand betrachteten und sich insgesamt mehr auf das Positive und Angenehme konzentrierten, hatten schlechte Karten ihre Gene erfolgreich weiterzugeben; denn sie starben in der Regel früh. Wir alle dürften überwiegend die Nachkommen derer sein, die sich bei der Betrachtung ihres Alltags mehr auf die Gefahren und ungünstigen Einflüsse, also auf die Defizite konzentrierten. Diese Defizitorientierung ist genetisch wohl in uns allen noch teilweise verankert.

Entwarnung in der Arbeitswelt
Wir leben allerdings in einer Umwelt, in der die Gefahren seltener und deutlich geringer sind. In relativ harmlosen Situationen reagieren unsere Gehirne mit überdimensionierten Gefahrenmeldungen. Wenn Ihr Chef beispielsweise montagsmorgens mit der Körperhaltung eines Orang Utangs und der Stimme eines gejagten Wolfs die Frühbesprechung leitet, haben Sie nicht dasselbe zu befürchten wie ihre Urahnen, die Ähnliches sahen und hörten. Sie könnten jetzt Ihr „Gefahrennetzwerk" im Kopf aktivieren: Schultern hochziehen, Stimme senken oder völlig verstummen, Kampf- oder Schutzhaltung einnehmen. Sie verhalten sich dementsprechend aggressiv oder ziehen sich völlig zurück. Sie könnten sich aber genauso gut entspannt zurücklehnen und darüber nachdenken, wie unglücklich wohl das Wochenende Ihres Chefs verlaufen sein muss, um in eine solche körperliche und seelische Verfassung zu kommen - Sie aktivieren Ihre Ressourcen Gelassenheit und Mitgefühl. Weder die Körperhaltung noch die Stimme Ihres Chefs werden sich durch Ihre innere Haltung verändern – zumindest nicht so schnell. Was sich aber verändert, ist Ihre Befindlichkeit. Das lässt sich sogar messen. Diverse körperliche Parameter wie beispielsweise Muskelspannung, Blutdruck und verschiedene Hormone reagieren unmittelbar darauf, je nachdem, ob Sie sich auf eine potentielle Gefahr konzentrieren (Angriff des Orang Utan) oder ob Sie innere Ressourcen wie beispielsweise die der Gelassenheit aktivieren.


Stärken stärken

Falls Sie einen Vorgesetzten haben, der immer nur dann Rückmeldung gibt, wenn ein Fehler unterlaufen ist, aber nur selten oder gar nicht, wenn etwas gut gelaufen ist, dann sollten Sie ebenfalls daran denken, dass bei Ihrem Chef eventuell die defizitorientierten Netzwerke im Kopf einfach schneller reagieren als die ressourcenorientierten. Das wird insbesondere dann der Fall sein, wenn Ihr Vorgesetzter selbst unter Druck steht. Je mehr Stress ein Mensch erlebt, desto weniger wird er einen Blick für das Positive und das Schöne haben. Aber auch Mitarbeiter investieren teilweise viel Zeit in die Diskussion zum Beispiel über das Missmanagement der neuen Unternehmensleitung im Bereich A und übersehen dabei die entscheidenden Verbesserungen im Bereich B. Das Kantinenessen am Montag war wieder eine Katastrophe, die räumliche Neugestaltung der Kantine und die Verbesserung des Gesamtangebotes wird nach kurzer Zeit der Gewöhnung nicht mehr gewürdigt. 

Dasselbe machen wir übrigens auch häufig in unserem Privatleben: Wir kritisieren Partner und Kinder für nicht erledigte Aufgaben und für Fehlverhalten viel mehr, als dass wir deren Stärken benennen. Oder wann haben Sie Ihrem Partner das letzte Mal gesagt, was Sie alles gut an ihm finden? Aber haben wir das nicht in der Schule so gelernt: Fehler wurden rot markiert, während es nur selten Lob für gute Leistungen gab? Können Sie sich daran erinnern, wie oft etwas Gutes grün, also positiv, hervorgehoben wurde? Was merkt sich das Gehirn am meisten? Natürlich das rot Unterstrichene, also den Fehler, das Defizit. Wie wäre es mit einer neuen Strategie in Schule, Ausbildung und Beruf, in erster Linie das Gelungene hervorzuheben und damit zu fördern, statt überwiegend die Fehler zu benennen?

Ressourcen entwickeln und pflegen

Es gibt viele Arten von Ressourcen: materielle, ökologische, biologische, soziale und psychologische. Eine materielle Ressource hat ihre Repräsentanz zum Beispiel in Gold oder Geld. Eine gute Arbeitsstelle und ein guter Vorgesetzter gehören zu den großen sozialen Ressourcen. Im menschlichen Denken, Fühlen und Handeln hat die Ressource ebenfalls eine Entsprechung. Sie ist als neuronales Netzwerk (viele Nervenzellen, die in einer komplexen Struktur miteinander verbunden sind) im Gehirn verankert. Ein solches organisches Muster bildet sich durch die Koppelung bestimmter Erlebnisinhalte aus. In diesen Netzwerken sind Erfahrungen vielfältig miteinander vernetzt, zum Beispiel sind Gefühle mit bestimmten Handlungen, Menschen oder auch Bilder mit bestimmten Gefühlen oder Bewertungen abgespeichert. Wenn Sie ein 400 Milliliter großes Bierglas mit 200 Milliliter Bier darin betrachten, können Sie grundsätzlich zwei unterschiedliche Netzwerke im Gehirn aktivieren: Netzwerk eins mit der Defizitorientierung „Das Glas ist halb leer" oder Netzwerk zwei mit der Ressourcenorientierung „Das Glas ist halb voll". Welches Netzwerk Sie automatisch, also unwillkürlich nutzen, hängt vor allem davon ab, welches Sie öfter in Gebrauch haben. Diese Netzwerke verdichten und stärken sich wie ein Muskel, je nachdem wie häufig Sie sie benutzen. Das stärkere Netzwerk ist zumeist auch das schnellere. Jetzt ändert die Wahl Ihres Netzwerkes überhaupt nichts am Füllungsgrad des Bierglases, aber es ändert viel in Ihrem Erleben und auch in Ihrem Organismus.

Ressourcenorientierung bezeichnet hier die Fokussierung auf vorhandene Stärken und Fähigkeiten im Denken, Fühlen und Handeln.

Die Geschichte einer älteren Führungskraft im Gespräch mit einem jungen Kollegen veranschaulicht die Entstehung stabiler ressourcenorientierter Netzwerke: Ein junger Kollege fragt die ältere, sehr erfolgreiche Führungskraft: „Wie ist es Ihnen gelungen, über so viele Jahre so erfolgreich die Abteilung und ihre Mitarbeiter zu führen?" Der Ältere schweigt einige Zeit und dann sagt er: „Ach wissen Sie, in jeder Führungskraft kämpfen immer zwei Wölfe. Der eine ist dominant, autoritär, aggressiv, ungeduldig und nachtragend. Der andere ist kooperativ, einfühlsam, den Menschen zugewandt und selbstkritisch." Daraufhin der junge Kollege: „Und welcher gewinnt?". Die Führungskraft: „Der Wolf, den Sie mehr füttern."

Abbildung : Neuronale Netzwerke
Ressourcen durch häufigen Gebrauch verdichten

Dasselbe gilt für alle anderen neuronalen Ressourcen, die Sie in ihrem Gehirn angelegt haben. Zum Beispiel: Sprachkenntnisse, Prozesswissen in bestimmten Arbeitsfeldern, aber auch soziale Fähigkeiten wie Empathie, Freundlichkeit, Kommunikationskompetenzen, Konfliktlösefähigkeit oder Humor. Alles dies liegt in Mustern in Ihrem Gehirn vor. Die entscheidende Frage ist nun, wie viel konzentrieren Sie sich auf Ihre Kompetenzen, Ressourcen, und wie viel beschäftigen Sie sich mit Ihren Defiziten? Jedes Abrufen von vorhandenen Ressourcen stärkt die Ressourcen (das neuronale Netzwerk verdichtet sich) und jede Beschäftigung mit den Defiziten kann bewirken, dass sich die Defizite verstärken. Wenn Sie sich also dauernd vergegenwärtigen, was Sie alles nicht können, welche Fähigkeiten Sie nicht haben, was die anderen besser können als Sie, was in Ihrer Berufsbiografie alles schief gelaufen ist, dann kann das die defizitorientierten Netzwerke stärken. 

Entscheiden Sie also selbst: Wenn Sie im Laufe der Jahre ihre Ressourcen weiter entwickeln wollen, dann sollten Sie Ihre Energie überwiegend in sie investieren. Die Schamanen beschreiben mit dem Spruch „energy flows, where attention goes" (die Energie fließt dorthin, wohin sich die Aufmerksamkeit richtet), wie sich Denken Fühlen, Handeln, ja auch Körperprozesse verändern, je nachdem worauf Sie Ihre Aufmerksamkeit richten.


Ressourcen bekommen Sie nicht zum 50. Geburtstag geschenkt

Für die Entwicklung dieser Ressourcen kann jeder Einzelne etwas tun. Trotz genetischer Programmierung, unsere Aufmerksamkeit mehr auf die Defizite zu lenken, können Sie Ressourcenorientierung lernen. Beginnen Sie beispielsweise damit, ihre Sprache zu entrümpeln, indem Sie defizitorientierte Begriffe hinterfragen und sie gegebenenfalls durch ressourcenorientierte Begriffe ersetzen. Dann wird aus „ängstlich" vielleicht ein „vorsichtig", aus „nicht schlecht" wird „gut" oder zumindest „zufriedenstellend", aus „altern" wird „reifen" oder „sich entwickeln". Je nach Kontext gibt es unzählige Möglichkeiten, die ressourcenorientierte Seite zu entdecken. Statt zu sagen „Meine letzte Präsentation war schlecht", könnte die zukünftige Formulierung lauten „Meine Präsentation ist an den Punkten X und Y verbesserungsfähig". Statt sich selbst herabzuwürdigen mit der Formulierung „Das habe ich noch nicht geschafft", könnten Sie sagen „Ich bin noch mitten in der Arbeit" oder „Ich benötige noch zwei Stunden". Ebenso können Sie ihrer Familie nach einem anstrengenden Arbeitstag mehrfach berichten „Ich bin völlig fertig", oder Sie wählen die Variante „Ich brauche jetzt eine Stunde Zeit für mich in Ruhe.

Test: Wie wirken defizitorientierte Worte auf Sie?


Wie defizitorientierte Worte auf den Körper wirken, können Sie im Selbstversuch testen.

Lesen Sie bitte laut mehrmals hintereinander: angespannt, müde, fühle mich unter Druck, bin gestresst, bin völlig zerschlagen, kraftlos, platt.

Nach mehrmaligen Lesen spüren Sie bitte nach: Welchen Körperimpuls spüren Sie? Möchte sich Ihr Körper dabei eher aufrichten oder eher zusammenziehen? Ist ihre Atmung eher tief und weit oder eher flach und kurz?

Selbstverständlich ist es leichter, die defizitorientierten Formulierungen zu wählen. Um dieselbe Situation ressourcenorientiert zu beschreiben, müssen Sie nachdenken: Was brauche ich, um einen nicht gewünschten Zustand zu beenden oder zu verändern? Dabei handelt es sich keineswegs nur um eine Sprachspielerei, sondern die Wahl der Worte bestimmt Ihre körperliche und seelische Befindlichkeit und kann auch wesentliche Verhaltensimpulse geben. Die Worte, die Sie denken und sprechen, haben Macht sowohl auf den eigenen Körper als auch auf die Reaktionsweisen Ihrer Umwelt. Je stärker Sie auf Defizite fokussiert sind, desto eher werden Sie den Impuls spüren, sich „klein zu machen": die Muskeln verkürzen sich, die Wirbelsäule krümmt sich, die Atmung wird flacher. Je stärker Sie Ihre Gedanken auf Ressourcen lenken, desto eher werden Sie Ihren Rücken aufrichten, desto freier wird Ihre Atmung, Ihre Muskeln entspannen sich und desto leichter werden Ihre Bewegungen. Das kann man Menschen schon am Gangbild ansehen: ihnen geht es gut und sie gehen so, wie es ihnen geht.


Eigenlob stärkt

Eine weitere Möglichkeit, das ressourcenorientierte Denken, Fühlen und Handeln zu trainieren, bietet die folgende Übung:

Übung: Ressourcenorientiertes Denken, Handeln, Fühlen fördern


Erinnern Sie sich an eine Situation aus ihrer beruflichen Biografie, bei deren Bewältigung Sie mit sich zufrieden waren. Das kann eine Kleinigkeit oder auch ein bedeutsamer Beitrag zu einem Arbeitsergebnis gewesen sein. Wichtig dabei ist lediglich, dass Sie selbst einen Anteil zum Gelingen geleistet haben.

Aktivieren Sie die Erinnerung an diese Situation, schreiben Sie sie nieder und stellen Sie sich danach folgende Fragen: „Was war mein Anteil am Erfolg in dieser Situation? Wie ist mir das alles gelungen? Was genau habe ich zum Gelingen beigetragen? Was würde ich genauso wieder tun, oder sogar jemand anderem empfehlen, es ebenso zu tun? Was waren meine Stärken in dieser Situation?"

Nun notieren Sie sich all die Fähigkeiten und Talente, die Sie in dieser Situation gezeigt haben.

Vielleicht waren Sie einfühlsam, hilfsbereit, engagiert, respektvoll, kreativ, mutig, aufmerksam, zuverlässig ... Die Talente und Fähigkeiten, die Sie in dieser Situation gezeigt haben, gehören zu Ihren ganz persönlichen Ressourcen. Wenn Sie sie in dieser erinnerten Situation abrufen konnten, können Sie sie grundsätzlich immer wieder aktivieren und auf andere Situationen übertragen. Noch intensiver wird diese Übung wirken, wenn Sie Ihr Erfolgserlebnis ein oder zwei Freunden oder vertrauten Kollegen erzählen. Danach sollen Ihre Zuhörer rückmelden, welche besonderen Qualitäten sie bei Ihnen in dieser Situation beobachtet haben. Ihre Ressourcenorientierung wird sich auch verstärken, wenn Sie die besonderen Qualitäten Ihrer Freunde oder Kollegen bei deren Schilderung beobachten und rückmelden. Je häufiger Sie sich mit diesen „Kernqualitäten" beschäftigen, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass Sie sie auch tatsächlich einsetzen. Die deutsche Redensart „Eigenlob stinkt" ist für die Entwicklung der eigenen Ressourcen hinderlich. Es geht nicht darum, übermütig oder gar arrogant die eigenen Stärken zur Schau zu stellen, sondern vielmehr darum, sich im vertrauensvollen Kontakt mit anderen der eigenen Stärken bewusst zu werden, sie zu verbalisieren und sie dadurch zu stärken.

Älterwerden in der ressourcenorientierten Perspektive
Leider ist das Älterwerden in unserer Gesellschaft immer noch mit einer defizitorientierten Denkweise verbunden. Viel zu häufig klagen viele über die körperlichen Einbußen, anstatt sich auf die Eigenschaften zu konzentrieren, die im Laufe der Jahre erst richtig zur Entfaltung kommen können. Ältere Arbeitnehmer haben mit Vorurteilen zu kämpfen, nicht selten sogar mit ihren eigenen. Keine Frage, im Laufe der Jahre nehmen die biologischen Ressourcen ab. Wir haben aber die Möglichkeit, emotionale, mentale und verhaltensbezogene Ressourcen aufzubauen und im Laufe der Jahre immer weiter zu entwickeln. Erfolgreich älter werden im Beruf bedeutet einerseits Respekt vor der Verminderung der biologischen Leistungsfähigkeit zu haben und andererseits, Achtsamkeit und Kraft in die Pflege vorhandener Ressourcen zu investieren und sie auszubauen.

Alternative Muster entwickeln
Manche Menschen beschränken sich – zumeist unbewusst – lediglich auf einige wenige Muster und bilden sie im Laufe der Zeit immer stärker aus. Die häufig eingesetzten Denk- und Verhaltensweisen verdichten sich und spitzen sich zu: Der Laute wird noch lauter, der Leise wird noch leiser. Die weniger genutzten Muster dünnen sich aus und erscheinen dann immer seltener.
Neben der Pflege der vorhandenen ressourcenorientierten Muster ist die „Neuanlage" alternativer positiver Denk- und Verhaltensmuster daher eine wichtige Strategie, um das Älterwerden erfolgreich zu gestalten.
Gelingendes Älterwerden im Beruf könnte somit auch bedeuten, eine bunte Vielfalt von Verhaltens- und Denkmustern zu entwickeln und zu pflegen. Je nach Anlass können Sie dann aus dieser Mustervielfalt auswählen und bewusst jene einsetzen, die der jeweiligen Situation und Anforderung nach Anlass angemessen erscheinen – mal laut und mal leise, mal engagiert, mal distanziert; mal integrierend und auch mal abgrenzend ...

Eine reife Leistung, wenn das gelingt!


Auszug aus dem Buch von Cornelia Schneider und Lisa Juliane Schneider

Reife Leistung – Souverän und gesund arbeiten in jeder Lebensphase Herder Verlag
Warum es so schwer ist, »gesund« zu leben
Kollege Gefühl: Ihr (unbe-)ständiger Begleiter

By accepting you will be accessing a service provided by a third-party external to https://ggw-homburg.de/